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Wenn das Kiefergelenk zur Ursache für Schmerzen wird Craniomandibuläre Dysfunktion – Ein Krankheitsbild, seine Ursachen und Therapiemöglichkeiten

Es gibt viele Gründe, warum Ihnen das Kiefergelenk plötzlich höllisch weh tut, warum der Mund nur noch unter Knacken und Knirschen auf- und zu geht und damit das Essen und Sprechen zur Qual wird, warum Sie keinen Schlaf finden und jeden Morgen mit Muskelkater im Gesicht, einen steifen Nacken und verspanntem Rücken aufwachen.

Aber es gibt keinen einzigen Grund, das alles zu ertragen und zu hoffen, dass es von selbst wieder vergeht. In diesem Beitrag werden Sie erfahren, was der Grund für ihre Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen sein kann.

 

Deutschland hat Rücken 

70% der deutschen Bevölkerung leiden an Kopfschmerzen* und 60% der deutschen Bevölkerung leiden an Rückenschmerzen*. Bei 85-90% der Rückenschmerzpatienten handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen*, das sind Schmerzen, für die keine Ursache gefunden werden konnte. 

Es mehren sich die Hinweise, dass es Zusammenhänge zur Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) gibt und epidemiologische Daten belegen klinische Anzeichen von CMD bei bis zu 75% der Bevölkerung. CMD kann alle Altersgruppen und Geschlechter betreffen. Bei der Untersuchung und Behandlung chronischer Schmerzpatienten in meiner Praxis diagnostiziere ich deutliche Hinweise darauf, dass über 90% von ihnen Merkmale und Symptome einer CMD aufweisen. (* Quelle Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2021)

 

Was ist eine Craniomandibuläre Dysfunktion, oder CMD?

Die Abkürzung steht für Cranio = Schädel, Mandibula = Unterkiefer und Dysfunktion = Funktionsstörung. Gemeint ist damit eine Erkrankung des Kiefergelenkes durch Fehlbelastung, häufig einer Kompression des Kiefergelenkes. Diese kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben und mit einseitig zu hohem oder niedrigem Zahnersatz, einem Fehlbiss oder einer Störung der Biomechanik des Kausystems zusammenhängen. Die Ursachen sind korrigierbar.

Aber ohne die Krafteinwirkung der Kaumuskulatur, die zu den stärksten Muskeln im Körper zählt, wäre das Problem nur halb so schlimm. Wird die Muskelbelastung durch Stress erhöht, kann das ganze System schnell in einen akuten und bei längerer Belastungsphase, in einen chronischen Schmerzzustand abkippen. 

Die Ursachen für erhöhten Muskelstress sind vielfältig und reichen von emotionalen Faktoren bis hin zu Stress in Beruf, Partnerschaft oder Familie. Den weitaus größeren Einfluss verursachen aber oxidativer und nitrosativer Stress durch Umweltfaktoren oder biochemisch relevante Erkrankungen. Das ist nochmal ein ganz eigenes Thema.

 

Die Therapie der CMD

In der Regel wird eine CMD mit einer mehrmonatigen Schienentherapie behandelt, das ist eine sogenannte Okklusionsschiene aus Acrylat für den Unterkiefer, manchmal auch für den Oberkiefer. Dadurch werden Fehlkontakte auf den Zahnoberflächen, aber auch Fehler in der Biomechanik oder ein Fehlbiss ausgeglichen. Dabei ist es wichtig, dass die Okklusionsschiene regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf auch eingeschliffen wird. Das kann am Anfang der Behandlung durchaus wöchentlich erforderlich sein. Diese wird konsequent mit manueller Therapie oder Osteopathie unterstützt.

Auch Akupunktur und Neuraltherapie können als erste Behandlungsmaßnahmen sehr hilfreich sein um die Symptome einer CMD zu entschärfen und um eine Schmerzreduktion ganz ohne Schmerzmittel zu erzielen.

Aber nicht in allen Fällen führt die Behandlung mittels Okklusionsschiene und Begleittherapie durch den Physiotherapeuten zum Erfolg. Nämlich dann nicht, wenn trotz perfekt eingestellter Okklusionsschiene und intensiver Physiotherapie die Beschwerden verbleiben. 

 

Das neurologische Trauma

Denn aus einem akuten Schmerz wird nach mehreren Monaten ein chronischer Schmerz und dem ist mit schulzahnmedizinischen Methoden häufig schlecht beizukommen. Bekannt ist dieses Phänomen z.B. bei Narben, die trotz vollständiger Heilung bei bestimmten Reizen einen sogenannten Phantomschmerz aufweisen können. Man könnte hier auch von einem neurologisch gespeicherten Trauma sprechen.

Ähnlich verhält es sich mit den Kiefergelenken, die bei dauerhafter Überlastung oder Kompression chronifizierte Schmerzen verursachen und bindegewebig vernarben können, bzw. ein neurologisches Trauma entwickeln. Wird diese Information als traumatische Erinnerung im Nervensystem gespeichert, kann sie im Mund durch Kauen, Schlucken oder Stressbelastungen aktiviert werden. Diese können sowohl im Nah- als auch im Fernbereich Beschwerden auslösen – also mitunter an einer ganz anderen Körperstelle. Ein besonderes Augenmerk sollte also auf die neurologische Entstörung der Kiefergelenke und seiner angrenzenden Strukturen am Kopf gelegt werden.

Das macht es für herkömmliche medizinische Herangehensweisen so schwierig, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung zu erkennen. 

Die neuromuskuläre Funktionsdiagnostik der Applied Kinesiology bietet jedoch Möglichkeiten, diese neurologischen Erinnerungsmuster aufzudecken und zu behandeln. Das klingt nach Wunderheilung – ist aber nur Diagnostik und Therapie auf neurophysiologischer Grundlage. Die allerdings Wunder wirken kann.

Mit einer multimodalen Betrachtungs- und Herangehensweise kann es gelingen, die CMD dauerhaft und auch ganzheitlich und erfolgreich zu behandeln. Denn Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen sind kein Schicksal und die Erfolgsaussichten sind bei einer ursächlichen CMD als gut bis sehr gut zu bezeichnen.    

Dr. Jan Harders, Louise-Wagner-Straße 3a, 23701 Eutin

www.ganzheitliche-schmerztherapie.com  und    www.cmd-therapie-nord.de

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